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HAMBURGER STUDIE (IM JAHR 2004 AN SCHULEN ERHOBEN)

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PROF. DR. ULRICH SCHIFFNER, UNIVERSITÄTSKLINIKUM HAMBURG-EPPENDORF, ZMK-KLINIK
“Zähne sind immer besser gepflegt”

Grundlage dieser neueren Erhebung, die in Hamburg eine sehr lange Tradition hat, ist eine Rahmenempfehlung zur Förderung der Gruppenprophylaxe des DAJ, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege. Das erste Mal 1994, dann 1997, 2000 und im letzten Jahr fanden in den deutschen Bundesländern einheitlich gestaltete Querschnittsuntersuchungen der Kinderzähne in drei Altersgruppen statt.

Die Untersuchungen laufen in immer denselben Schulen, die nach statistischen Merkmalen zufällig ausgewählt wurden. Somit sind die Ergebnisse repräsentativ für die Region und können über die Jahre miteinander verglichen werden. In heutiger Zeit ist es selbstverständlich, dass die Kinder nur nach Einverständnis der Eltern und anonym untersucht werden dürfen. Alle Untersucher einer Region sind untereinander kalibriert, das heißt, Veränderungen an den Zähnen werden von Untersucher zu Untersucher einheitlich bewertet. Alle Untersuchungsbefunde werden schriftlich dokumentiert. Zugleich findet eine soziale Einstufung des Kindes statt. Eine Variable, die oft zur groben Kennzeichnung der Sozialschicht herangezogen wird, ist die Schulbildung der Eltern. Alle Befunde einer Region werden statistisch ausgewertet und überprüft. Die Ergebnisse der Regionen werden zentral zusammengetragen und publiziert.

Ausgewertet wurden die Untersuchungsergebnisse von 1.048 Kindern in den drei Altersklassen Schulanfänger, 12- und 15-Jährige. Erstmals wurde die Altersgruppe der 15-Jährigen neu aufgenommen. Die Untersuchungsergebnisse werden nach einem international üblichen Index — dem DMFT — dargestellt. Dieser Index fasst die Zahl der kariösen (decayed = D), wegen Karies gezogenen (missing = M) oder mit einer Füllung oder Krone versorgten Zähne (filled = F) in einer Zahl zusammen. Kariöse, fehlende oder gefüllte Zahn wird zusammenaddiert — das ergibt dann den DMFT-Wert. Je höher, desto schlechter ist die Mundgesundheit des Kindes. Der DMFT-Wert kann bei Kindern maximal einen Wert von 20 für das Milchgebiss und bei Jugendlichen von 28 erreichen – entsprechend der Anzahl der Milchzähne bzw. bleibenden Zähne. So viel zur Methodik der Untersuchung.

Bei den Schulanfängern haben wir 510 Kindern in den Mund geschaut. Die Kinder hatten im Durchschnitt 1,8 Zähne mit Karies. 52 Prozent der Kinder hatten dabei jedoch noch naturgesunde Milchzähne. Dies bedeutet, die gute Hälfte der 6- oder 7-Jährigen hat keinen einzigen Zahn mit einer Füllung oder einem kariösen Loch. Vor zehn Jahren (1994) lag dieser Prozentsatz erst bei 40 Prozent. Schaut man sich die Verteilung der Defekte in den Mündern an, zeigt sich ein interessantes Bild: Gut 87 Prozent der Kinder haben maximal fünf Defekte oder Füllungen an den Milchzähnen, die restlichen 13 Prozent haben zwischen sechs und 15 Defekten an den Milchzähnen. 

Die Grenze von 6 erkrankten Zähnen ist nicht willkürlich gelegt, sondern wird zur Bestimmung des Anteiles an Kindern mit besonders hohem Kariesrisiko herangezogen. Eine kleine Gruppe der Schulanfänger stellt also die Kariesrisikogruppe dar und hat eine erhebliche Zahl von Defekten, nämlich im Durchschnitt 7,7, während der weit überwiegende Teil der Kinder mit einem Mittelwert von 1,0 nur wenige kariöse oder gefüllte Zähne hat. Die hohe Zahl von durchschnittlich fast 8 kariösen Milchzähnen in der Risikogruppe zeigt deutliche Defizite bzgl. Ernährung und Mundhygiene an.

Bei den 12-Jährigen wurde der Zustand der bleibenden Zähnen ermittelt. 1994 lag dieser DMFT-Wert bei 2,4, er fiel jetzt deutlich auf höchst bemerkenswerte 0,9. 61 Prozent der 12-Jährigen haben noch naturgesunde bleibende Zähne. Vor zehn Jahren lag dieser Wert bei nur 38 Prozent. Mit diesen Ergebnissen haben wir in Hamburg eine erfreulich niedrige Verbreitung der Karies erreicht, wie sie bislang nur vor den, bedingt durch die günstigere Sozialstruktur, führenden südlichen Flächenländern bekannt war. 

Auch bei den 12-Jährigen haben einige Wenige viel Karies: Rund 13 Prozent der Kinder haben mehr als 2 Defekte. Alle anderen haben keinen oder höchstens zwei Defekte. Ähnlich wie bei den Milchzähnen der 6- und 7-Jährigen ist also eine Risikogruppe von einem Achtel der Gesamtaltersgruppe auszumachen. Allerdings sind die Unterschiede des Kariesbefalls zwischen Risikogruppe und den übrigen 12-Jährigen nicht ganz so krass wie bei den Schulanfängern: Einem DMFT-Wert von 0,4 der allenfalls geringfügig von Karies Betroffenen steht ein Wert von 4,1 bei der Risikogruppe gegenüber. 

Die Ursachen für die deutlichen Verbesserungen der Zahngesundheit der 12-Jährigen und das geringere Auseinanderklaffen von Risiko- und Nicht-Risiko-Gruppe sind sicher vielfältig. Ein wichtiger Faktor scheint allerdings die prophylaktische Versiegelung der Kauflächen zu sein. Versiegelte Kauflächen sind vor Karies geschützt. In der Altersgruppe der 12-Jährigen sind die Kauflächen von immer mehr bleibenden Zähnen versiegelt. Knapp 60 Prozent dieser Kinder hatten mindestens einen versiegelten Zahn. 1994 war die Quote so niedrig, dass sie noch gar nicht erfasst wurde. 1997 konnte bei 44 Prozent der 12-jährigen Kinder mindestens ein versiegelter Zahn gefunden werden. 

Erstmals haben wir im Rahmen der DAJ-Erhebung die 15-Jährigen untersucht. Hier haben wir einen DMF-T von 2,1 festgestellt. Aus Hamburg liegen uns jedoch Vergleichzahlen aus dem Jahr 1988 vor. Damals hatten die 15-Jährigen einen DMFT-Wert von 6,3! Das aktuelle Ergebnis liegt nicht nur weit unter diesem Wert, sondern ist auch besser als das der 12-Jährigen von vor 10 Jahren. Heute haben 41 Prozent der Jugendlichen naturgesunde bleibende Zähne. Aber auch hier gibt es besondere Risikogruppe: 15 Prozent der Jugendlichen haben fünf und mehr Defekte. Im Durchschnitt weisen sie 7,4 kariöse Zähne auf, im Gegensatz zu 1,1 Zähnen der übrigen 15-Jährigen.

Weitergehende Analysen zeigen, dass der Kariesbefall stark vom sozialen Hintergrund der Familien abhängt. Für die Hamburger Zahlen 2004 ist die Abhängigkeit der Karies vom Bildungsstand der Eltern mehr als deutlich: Für 6- und 7-Jährige, deren Vater Hauptschulabschluss hat, beträgt der DMFT-Wert 2,7, für Kinder mit väterlicher Realschulbildung 2,1 und für Kinder von Vätern mit Gymnasialabschluss nur 1,0. Das gleiche gilt auch bezüglich der Schulbildung der Mutter sowie für die Altersgruppen der 12- und 15-Jährigen. Immerhin ergeben sich aus der Kenntnis dieser Daten Ansatzpunkte für Bestrebungen, den Kariesbefall in den Kariesrisikogruppen weiter zu reduzieren.
 
Mein Fazit: Hamburgs Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen vier Jahren wieder ein deutliches Mehr an Zahngesundheit erreicht. Darüber können nicht nur die Betroffenen, sondern auch Eltern und alle Verantwortlichen im Gesundheitswesen sehr glücklich sein. Es wäre allerdings verfehlt, jetzt die Hände in den Schoß zu legen und nichts mehr zu tun. Im Gegenteil. Der unkontrollierte Gebrauch von Saugerflaschen bei Kleinkindern, aber auch bei größeren Kindern und Jugendlichen in Form der Nuckelflaschen werden wieder mehr Zahnschäden zur Folge haben. Nur durch regelmäßigen Gebrauch fluoridhaltiger Zahnpaste zusammen mit den ausgebauten und modernen professionellen Angeboten wird die Zahngesundheit stetig verbessert.

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Die LAJH, Landesarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Jugendzahnpflege in Hamburg e.V., ist eine Gemeinschaftsaktion der Hamburger Zahnärzte und Krankenkassen sowie der Freien und Hansestadt Hamburg.

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